Innovationsatlas Deutschland 2017

Innovationsatlas Deutschland 2017

Das IW Institut der Deutschen Wirtschaft Köln hat am 24. Juli 2017 den Innovationsatlas Deutschland 2017 veröffentlicht.  Hier geht’s zum IW-Innovationsatlas.

Ein Kontinent leuchtend von Ideen, so hatten es die EU-Politiker in der Lissabon-Agenda des Jahres 2000 versprochen. Doch würden heute Sonden die Erde vom Weltraum aus erkunden und Innovationskraft als helle Punkte erscheinen lassen: Auf der europäischen Landmasse würden nur wenige helle Fleck aufleuchten, selbst in Deutschland ist das so.

„Die Innovationskraft ist von herausgehobener Bedeutung bei der Frage, wovon wir morgen leben werden“, so IW-Geschäftsführer Hans-Peter Klös.

Der Süden macht´s

Die technologisch ideenreichsten Regionen der Republik liegen in Süddeutschland. Die Innovationskraft konzentriert sich demnach auf relativ wenige Wirtschaftsräume mit internationalem Spitzenniveau vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Die Kölner Ökonomen haben ihre Ergebnisse in einem Innovationsatlas gebündelt.

Einige Regionen in den südlichen Bundesländern sind Ideenschmieden von globalem Rang. So bringt es der Raum Stuttgart dem Atlas zufolge auf 577 Patentanmeldungen pro 100.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Die Region Ingolstadt schafft immerhin 486. Das ist vergleichbar mit der Innovationsdichte des viel beschworenen Silicon Valley in Kalifornien.

Direkt hinter dem Stuttgart folgen  Heidenheim/Ostalbkreis, Ingolstadt und München.

Die Studie zieht fünf Indikatoren zur Bewertung heran: Die Ausgaben der Unternehmen für Forschung und Entwicklung, die Beschäftigungsquote in technisch-naturwissenschaftlichen Akademikerberufen, die Zahl technologieorientierter Neugründungen, die Versorgung mit Breitbandinternet und die Zahl der Patentanmeldungen. Das IW grenzt für die Untersuchung 85 regionale Wirtschaftsräume voneinander ab.

„Würde das ganze Land forschen wie Baden-Württemberg und Bayern, lägen wir im internationalen Vergleich auf Platz eins“, sagt Oliver Koppel, Ökonom beim IW Köln und Mitverfasser des Innovationsatlas. Die Zahl der Patente ist ein wichtiges Kriterium, um zu ermessen, wie fortschrittlich und zukunftsfähig ein Wirtschaftsraum ist. Im Bundesschnitt waren es 125 Patente pro 100.000 Beschäftigte. Die hellen Leuchtflecken der Innovation ballen sich in der Nähe großer Unternehmen oder rund um Universitäten. Wo viel geforscht wird, fallen meist auch viele Patente an. Dabei ist es in Deutschland vor allem eine Branche ist, die Geld in die Hand nimmt: „Haupttreiber der Innovationen ist klar die Metall- und Elektroindustrie, allen voran der Automobilbau“, sagt IW-Ökonom Koppel.

 

Problemregionen gibt es genug

Auch ohne die aktuellen Probleme in der Automobilbranche gibt es jetzt schon genügend Problemregionen in Deutschland. „Schon das hinter Baden-Württemberg und Bayern drittplatzierte Bundesland Niedersachsen hinkt mit 98 Patenten weit hinterher“, heißt es in dem Report zum Innovationsatlas. Ganz zu schweigen von Bremen und Mecklenburg-Vorpommern (jeweils 25 Anmeldungen) oder Sachsen-Anhalt (19 Anmeldungen). Doch nicht nur der Osten lässt es statistisch an frischen Ideen mangeln, die ökonomischen Erfolg versprechen.

Auch das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt einmal mehr weit hinter dem Bundesschnitt und stellt sich damit alles andere als zukunftsfähig dar: „Selbst die ländlichen Regionen Baden-Württembergs und Bayerns laufen den Städten in NRW meist den Rang ab“, heißt es beim IW Köln. Nordrhein-Westfalen hat noch mit einem anderen Problem zu kämpfen: Viele talentierte junge Menschen ziehen nach dem Studium weg und setzen ihre Fähigkeiten woanders ein. Speziell bei Ingenieuren verliert NRW einen großen Teil seiner Absolventen an die südlichen Flächenländer. Die IW-Forscher sprechen von einem innerdeutschen „Braindrain“.

Die Innovationskraft von Start-ups reicht nicht aus

Bei den Neugründungen innovativer Unternehmen zeigt sich, dass längst nicht alles Gold ist, was glänzt. So scheinen die nackten Zahlen zu demonstrieren, dass die vermeintliche Gründerhochburg Berlin einige Defizite hat. In der Hauptstadt werden zwar viele Start-ups mit wohlklingenden Namen ins Leben gerufen, doch deren Innovationskraft ist oft recht bescheiden: „Mit gerade einmal 29 innovationsspezifischen Gründungen pro 10.000 aktive Unternehmen liegt Berlin auf einem der hinteren Plätze“, stellt Koppel ernüchtert fest. Allerdings hat auch NRW bedenkliche Defizite bei technologieaffinen Neugründungen. Zum Vergleich: Das Städtchen Rottweil im Schwarzwald schafft 71 innovative Neugründungen.

Bei den Neugründungen stechen im Osten Jena und Dresden positiv hervor. Bei den Patentanmeldungen im Verhältnis zur Beschäftigtenzahl liegen die VW-Standorte Braunschweig und Wolfsburg in der Spitzengruppe. Insgesamt existiere „ein Süd-Nord-, ein West-Ost- und ein Stadt-Land-Gefälle“, sagte Klös. Um schwächere Regionen auf ein höheres Niveau zu bringen, sollte der Staat eine verbindliche und langfristige steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung einführen, empfiehlt das IW.

Förderung von Investitionen durch steuerliche Vorteile

„Die Politik muss mehr dafür tun, dass bislang bei der Innovation schwächere Regionen wieder aufschließen, ohne dass die Topregionen geschwächt werden“, fordern die IW-Ökonomen. Einen großen Unterschied könnte eine veränderte Steuerpolitik machen, bei der Ausgaben für Forschung und Entwicklung vom Fiskus honoriert werden. „Forschende Unternehmen sollten steuerlich gefördert werden“, sagt Koppel.

Die Idee dahinter: Wenn Betriebe mit hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) sich vor dem Fiskus besserstellen, werden sie auch wieder mehr investieren. Noch 1992 betrug der Finanzierungsanteil des Staates an den FuE-Aufwendungen elf Prozent, bis 2015 ist der Beitrag auf drei Prozent gesunken. Für Ostdeutschland mahnt Koppel zudem den Ausbau des schnellen Internets an. Das Fehlen von Breitbandanschlüssen hält Start-ups davon ab, sich dort niederzulassen. Zusammen mit dem Braindrain ist das eine Ursache, worum die Innovationskarte der neuen Bundesländer dunkel bleibt.

Koppel und seine Co-Autoren vom IW Köln zogen insgesamt fünf Kriterien zur Bewertung für Innovationsfähigkeit heran: Neben der Zahl der Patentanmeldungen und der Ausgaben der Unternehmen für FuE flossen die Zahl technologieorientierter Neugründungen, die Beschäftigungsquote in technisch-naturwissenschaftlichen Akademikerberufen und nicht zuletzt die Versorgung mit Breitbandinternet mit ein. Das Institut unterteilte Deutschland für den Atlas in 85 regionale Wirtschaftsräume.

 

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